Berlin, Berlin, wir waren in Berlin!

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“, hieß zunächst der Slogan unserer jungen Klimaschützer und Fair-Trader, als sie erfahren hatten, dass sie in die Bundeshauptstadt zu einem „Schülerdialog“ mit den Mitgliedern des Parlamentarischen Beirates für Nachhaltige Entwicklung reisen dürfen. Eingeladen hatte unser Wahlkreisabgeordneter Herr Dr. Lenz.

Anlass waren die Auszeichnung des Gymnasiums Grafing als Umweltschule in Europa und unsere „diversen Initiativen, wie z.B. der Verkauf fair produzierter Schokolade“, erfuhren wir aus der freundlichen E-Mail.  Der Dialog war aber nicht nur als Anerkennung gedacht, er sollte auch dem Erfahrungsaustausch mit engagierten Gruppen aus anderen Schulen dienen und gleichzeitig die Politik über unsere Wünsche und Anregungen informieren.

Also nichts wie hin! Zwei 12-jährige, im politischen Dialog erfahrene Klimaschützerinnen (sie hatten bereits im letzten Schuljahr Herrn Landrat Niedergesäß die Umstellung auf Recyclingpapier nahegelegt) und ein Oberstufenschüler aus dem Projektseminar „Moderne Sklaverei“ durften mit - leider war die Teilnehmerzahl auf drei Schüler beschränkt. 

Im Gepäck hatten wir eine PPP, die die knappe Vorstellung unserer Initiativen veranschaulichte, und einen wohlbegründeten Antrag an die Abgeordneten mit der dringenden Bitte, illegale Holzimporte nach Deutschland zu unterbinden. Uns waren nämlich die Missstände in diesem Bereich bekannt: Obwohl die Europäische Union bereits 2010 eine Holzhandels-Verordnung erlassen hatte, die die Urwälder vor illegaler Rodung schützen sollte, werden gesetzeswidrige Holzimporte in der BRD faktisch nicht verfolgt: kaum Kontrollen, kaum Strafen – und wenn doch, überschreiten diese lächerliche 50.- € Bußgeld in der Regel nicht.

Entrüstet stellten wir fest: Handel mit gestohlenem Holz –  das ist doch der unfairste Handel, den man sich denken kann! Und die Folgen: Verlust der Lebensgrundlage für die indigenen Bewohner und die Kleinbauern, Vertreibung der Tiere und Artensterben und nicht zuletzt die Beschleunigung des Klimawandels.

In seiner Erwiderung auf unseren Antrag, den wir dem Beirat vorab zugeleitet hatten, informierte Herr Dr. Lenz darüber, dass vermehrte Kontrollen bereits in den letzten Tagen beschlossen worden seien. Das war natürlich eine sehr positive Nachricht, aber was helfen Kontrollen ohne abschreckende Strafen? Dieses Problem wurde jedoch nicht mehr angesprochen.

Rasch verständigten sich unsere klugen Verhandlungsführer auf die Zusatzfrage, ob denn die Abgeordneten des Beirates  für Nachhaltige Entwicklung sich auch für deutlich strengere Strafen einsetzen würden. Auf diese Weise persönlich in die Pflicht genommen, fand der Antrag Zustimmung quer durch die Fraktionen.


zuletzt geändert am 18.12.2016, 23:02