Kampf dem Imbissmüll

„Unsere Schule hat ein Problem ... mehr am Montag“ lief an einem Freitag im Mai 2017 über den „Ticker“ unserer digitalen Info-Tafel. Als einige besorgte Anrufe von beunruhigten Eltern eintrafen, zögerten wir die Auflösung dieses Rätsels allerdings nicht bis Montag hinaus, sondern ergänzten noch zum Unterrichtsschluss:
„Das Problem: der Imbiss-Müll“.

Das mag die Eltern und viele Schüler beruhigt haben, unsere Energiescouts und den Wahlkurs „Aktionen für den Klimaschutz“ aber gar nicht. Wir sehen den täglichen Imbisstourismus vieler Schüler, die ihre Pause oder ihr Mittagessen von den benachbarten Dönerständen, Pizzerien, einem nepalesischen Restaurant und einer Metzgerei in z.T. aufwändigen Verpackungen besorgen, als Übergriff auf die Ressourcen künftiger Generationen.

Also muss gehandelt werden.

Im ersten Schritt gingen wir eine wichtige Ursache für den Imbiss-Tourismus an: die mangelnde Akzeptanz der Mensa. Die Energiescouts erstellten eine Liste von etwa 15 Gerichten und forderten ihre Mitschüler unter der Fragestellung „Ich würde in die Mensa gehen, wenn …“ zur Meinungsäußerung auf. Das Ergebnis war eindeutig: Italienische Woche, Nudelbar, Wraps und Süßspeisen waren die Renner. Wir vereinbarten ein Treffen mit unserem Mensabetreiber, und  die Sprecher unserer Energiescouts, die „Klimamitverantwortung“, legten ihm diese Wunschliste und eine Reihe anderer Verbesserungsvorschläge vor. Und siehe da: Bereits für die zweite Woche nach diesem Gespräch stand eine „Italienische Woche“ auf dem Speiseplan!

In der Zwischenzeit hatten sich die Energiescouts und der Wahlkurs „Klimaschutz“ an die Arbeit gemacht: Eine riesige Info-Tafel wurde entworfen, auf der die ökologischen Folgen von Aluminium-, Plastik-  und von verschmutztem Papiermüll dargestellt wurden, dazu gab es eine Reihe von Vorschlägen, wie dieser Imbissmüll vermieden werden kann.

Gleichzeitig waren alle Lehrerinnen und Lehrer aufgerufen, in Vertretungsstunden eine vorbereitete Liste mit ausgewählten, im Internet abrufbaren Filmen und Informationssendungen zu nutzen, um den Jugendlichen die Folgen der Wegwerf-Mentalität zu verdeutlichen. Klar wurde dabei, dass weniger der anfallende Müll das Problem ist, als vielmehr die ökologischen Konsequenzen der Produktion, z.B. von Aluminium.

Drei Tage lang sammelten dann Energiescouts und der AK Klimaschutz den Imbissmüll aus den Abfalleimern auf dem Schulgelände und deponierten ihn gut sichtbar im Haupteingangsbereich in sechs 120-Liter-Säcken vor unserer Info-Tafel. Etwa 1,8 Kubikmeter Imbissmüll waren zusammengekommen – ein wirklich beunruhigendes Ergebnis.

Mut machte dann wieder die deutlich stärker gefüllte Mensa in der „Italienischen Woche“.



Wie ging es weiter?

Rasch wurde uns klar, dass eine grundlegende Reform der Mensa erforderlich war, damit sie den Anforderungen des Klimaschutzes und den Leitlinien für eine gesunde Ernährung entspricht und gleichzeitig für unsere Schüler attraktiv ist. Ein solch umfangreiches Projekt erforderte die Zusammenarbeit von Schülern, Lehrern und Eltern mit dem Landratsamt, das letztlich entscheidungsbefugt ist.

Aus den zunächst informellen Treffen mit dem Mensabetreiber entwickelte sich unser „Essensgremium“, an dem sich Energiescouts, SMV, Lehrer, Mitglieder des Elternbeirates und Vertreter des Landratsamtes beteiligten. Die SMV artikulierte die Wünsche der Schüler, die Energiescouts achteten auf die Berücksichtigung des Klimaschutzes und des Tierwohls. Dieses Gremium war die Voraussetzung, dass wir im Schuljahr 2017/18 den Zuschlag für einen „Mensacoach“ erhielten. Damit war die ernährungsphysiologische und ökologische Beratung gesichert. Zudem wurde ein neuer Mensabetreiber gefunden, der unser Konzept nun sehr engagiert ausführt und sogar das Catering für Schulfeiern nach ökologischen Kriterien übernimmt.

Es zeichnen sich folgende Erfolge ab:

-   Die Schülerwünsche werden viel stärker berücksichtigt, was den Mensabesuch deutlich steigert und damit den Imbiss-Müll reduziert. An Tagen mit viel Nachmittagsunterricht ist sogar eine Staffelung der Mittagspause nötig.
-   Dem Klimaschutz dient ebenfalls, dass täglich ein wohlschmeckendes vegetarisches Gericht serviert und als kostenlose Nachspeise Bio-Obst aus der Region angeboten wird. Wasser steht als Getränk zur freien Verfügung.
-  Auf Verpackungsmüll wird – abgesehen von Papierservietten – verzichtet.

Zudem wurde ein Bewusstseinswandel bei Schülern wie Eltern angestoßen, der als langfristiger Erfolg zu werten ist.

Christina Niedermayer


zuletzt geändert am 13.05.2020, 08:47